Auf den Spuren der Traunsteiner Vergangenheit

 

Der große bayerische Historiker Prof. Dr. Karl Bosl hat in seinem Vorwort zum 100-jährigen Bestehen  des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein e. V. im Jahr 1989 in wenigen Worten das ideale Tätigkeitsfeld des Vereins zusammengefasst: „Aufgabe aller Geschichte ist es, den Spuren, die die Menschen, unsere Vorfahren und Ahnen, … im greifbaren Bewusstsein hinterlassen haben, nachzugehen, sie zu sammeln und als Dokumente und Zeugen unserer gewachsenen Identität sichtbar zu machen.“ Den Anstoß zu einem bayerischen Geschichts-bewusstsein hat im Jahr 1828 König Ludwig I. mit seinem Aufruf, das kulturelle Erbe der Vergangenheit zu bewahren und nach Möglichkeit Sammlungen erhaltenswerter Objekte zu gründen, gegeben. So haben heimatkundliche Traunsteiner Bürger begonnen, Gegenstände aus dem historischen und künstlerischen Bereich zusammenzutragen.

Leider ist dieser Grundstock beim Stadtbrand von 1851 vernichtet worden. Doch der Apotheker Joseph Pauer, dessen besonderes Interesse der Mineralogie galt, hat mit seinen Freunden erneut zu sammeln begonnen und dafür Räume in seinem Haus zur Verfügung gestellt. So war er bereits am 8. Juni 1882 in einem Gesuch um Inventarisierung der Baudenkmäler Bayerns vom Kgl. Landbauamt als Vorstand des Historischen Vereins bezeichnet worden. Doch bis zur eigentlichen Gründung sollten noch sieben Jahre vergehen. Nachdem 1884 das städtische Museum eröffnet wurde, um deren Bestand sich die Herren Bürgermeister Ritter von Seuffert sowie die Apotheker Joseph Pauer und Heinrich Hiedl besonders verdient machten, kam es 1889 zur Gründung des „Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein e. V.“: Am 1. Februar versammelten sich im Hutterschen Nebenzimmer (dem heutigen Hofbräuhaus) zahlreiche Persönlichkeiten, um die Gründung zu vollziehen.

Am 11. Februar 1889 erfolgte im Nebenzimmer der Scheicherschen Brauerei (heute Brauerei Wochinger) die eigentliche Gründungsversammlung.

Zum Vorsitzenden wählten die Anwesenden den Apotheker Heinrich Hiedl, der bis 1900 an der Spitze des Vereins stand. Im Paragraf 1 der an diesem Abend beschlossenen Statuten heißt es: 

„Der historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein, der seinen Sitz in Traunstein hat, bezweckt die Aufsuchung, Erhaltung und soweit möglich Sammlung von historisch bemerkenswerten Gegenständen, insbesondere solche, die auf die Stadt Traunstein und den Chiemgau Bezug haben, sowie insbesondere die Hebung des Sinnes für Geschichte in allen Schichten der Bevölkerung.“Viadukt 1888

Jener Mann, dem die Gründung in erster Linie zu verdanken war, hat diese jedoch nicht mehr erlebt: Joseph Pauer starb am 15. Januar 1888 im Alter von 69 Jahren.

Die Jahresberichte des Vereins (bis 1903 in Heftform) erschienen ab 1913 in der von Josef Angerer gegründeten Zeitschrift „Heimatbilder aus dem Chiemgau“, die 1933 von den Nazis verboten wurde. Der Architekt Dipl.-Ing. Josef Angerer ist 1918 im Alter von erst 39 Jahren gestorben, seine Mutter vermachte das alte Zieglerwirtshaus (benannt nach dem GastgeberGeorg Ziegler (1691-1712) neben dem Brothausturm im Sinne ihres Sohnes als Heimathaus der Stadt, woraus die „Stiftung Heimathaus“ entstanden ist. In diese Gebäude wurde 1920 das städtische Museum verlegt. 

Schon 1946 wurde auf Antrag von Bürgermeisters Rupert Berger der Historische Verein von der Militärregierung wieder zugelassen. Auf Vorschlag des damaligen Vereinsvorsitzenden Dr. Ernst Jaeger wurde die „Stiftung Heimathaus“ gegründet, deren Vorsitzender der jeweilige
1. Vorsitzende des Historischen Vereins ist.

Vorgeschichtliche Forschungen, Pflege des Museums, Ausstellungen sowie Vorträge und Exkursionen bilden die Arbeit des derzeit rund 300 Mitglieder starken Vereins, in dem natürlich auch die reichhaltige „Traunsteiner Salzgeschichte“ eine große Rolle spielt.

 

 


  

Die Vorsitzenden des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein e. V. seit seiner Gründung:

 

1889-1900 Heinrich Hied  Apotheker
1900-1905 Andreas Riegel kgl. Hauptmann
1905-1907 Prof. Eugen Zink  
1907-1911 Hans Albrecht Vorstand der landw. Winterschule
1911-1914 August Maier Gymnasiallehrer
1914-1942 Heinrich Lamprecht Rektor
1942-1945 Georg Grainer Fotograf
1946-1951 Georg Grainer Fotograf
1951-1961 Dr. Ernst Jaeger Augenarzt
1962-1981 Hans Habersetzer Stadtbaumeister a. D.
1981-1985 Theo Hetzner Stadtkämmerer a. D.
1985-1992 Hanna Bauer Fachlehrerin
1992-2012 Alfred Maier Dipl-Ing. Architekt
2012-2022 Hans Helmberger Journalist, Redakteur a. D.
seit 2022 Gernot Pültz Journalist